Weltweit erstes großindustrielles Power-to-Gas Projekt in Brunsbüttel

Innovationspartnerschaft aus ARGE Netz, MAN Energy Solutions und Vattenfall

4. April 2019

Husum/Augsburg/Hamburg. ARGE Netz, MAN Energy Solutions und Vattenfall wollen im Industriepark Brunsbüttel mit „HySynGas“ das weltweit erste industrielle Großprojekt zur Herstellung synthetischer Gase aufbauen. Die Anlage wird mit regionalem Strom aus erneuerbaren Energien grünen Wasserstoff und synthetisches Gas herstellen, um damit zum Beispiel Busse, Lkw und Schiffe anzutreiben sowie beim Einsatz in Gaskraftwerken und in der Industrie klimaschädliche CO2-Emissionen zu verringern. Ziel dieser Innovationspartnerschaft ist es, einen einzigartigen Power-to-Gas-Hub für sektorenübergreifende Dekarbonisierung in Norddeutschland zu etablieren. Hierzu bewerben sich die Partner auf ein Reallabor des Bundeswirtschaftsministeriums.


Power-to-Gas Hub in Schleswig-Holstein

„Wir haben uns ganz bewusst für den Industriepark Brunsbüttel als Standort entschieden.“, betont Stephan Frense, Geschäftsführer der Erneuerbaren-Unternehmensgruppe ARGE Netz.

 

"Wir wollen in Schleswig-Holstein die technologische Führungsposition im Bereich Power-to-Gas absichern und weiter ausbauen. Erneuerbare Energien sind schon heute in der Region in großen Mengen verfügbar. Ziel ist es deshalb auch, die P2G-Anlage systemdienlich zu fahren. Dabei gilt es, den Nutzungsgrad erneuerbarer Energien zu erhöhen sowie den Ausstoß des klimaschädlichen CO2 durch die Nutzung regenerativ erzeugter Gase vor allem für Busse des ÖPNV und schwere Lkw sowie auch im Schiffsverkehr, bei Gaskraftwerken und in der Industrie zu verringern. Zudem kann der vor Ort erzeugte grüne Wasserstoff der Industrie helfen, ihren CO2-Ausstoß deutlich zu verringern. Das Projekt ist ein  zentraler Baustein für eine ganzheitliche Energiewende und legt zugleich die Basis für den Power-to-Gas Hub in Norddeutschland.“


Industriepolitischer Anspruch

„Mit dem Innovationsprojekt verknüpfen wir auch einen industriepolitischen Anspruch. Deutschland muss seine Technologieführerschaft bei Power-to-Gas und den Export von innovativer Klimatechnologie stärken“, erklärt Dr. Uwe Lauber, Vorstandsvorsitzender von MAN Energy Solutions.

 

„Der deutsche Anlagenbau ist mit Blick auf einen weltweiten Zukunftsmarkt für Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe bisher gut positioniert. Diesen Vorsprung müssen wir halten, und darauf arbeiten wir mit diesem Projekt hin. Unser Konsortium kann auf namhafte Abnehmer der erzeugten Gase verweisen, u.a. die Volkswagen Konzernlogistik, diverse Stadtwerke und auch Industriebtriebe vor Ort. Während der Wasserstoff in der Region genutzt werden soll, wollen wir das SNG in das deutsche Erdgasnetz einspeisen und somit bilanziell in ganz Deutschland zur Verfügung stellen. Mit einem möglichen künftigen LNG-Terminal in Brunsbüttel ergibt sich perspektivisch die Möglichkeit, das angelandete Erdgas klimaschonend zu veredeln, also mit grünem synthetischem Gas aus Schleswig-Holstein zu vermengen und so einen Beitrag zur Dekarbonsierung des gesamten Erdgassystems zu leisten.“


Nächste Stufe der Energiewende

„Wir wollen den Grundstein für die nächste Stufe der Energiewende mit industrieller Wertschöpfung und Klimainnovationen vor Ort legen. Die Technik ist einsatzreif, und die Unternehmen wollen in die grüne Energiezukunft investieren“, unterstreicht Oliver Weinmann, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Innovation GmbH.

 

„Die aktuellen gesetzgeberischen Rahmenbedingungen erlauben derzeit jedoch keinen wirtschaftlichen Betrieb. Die Projektpartner ARGE Netz, MAN Energy Solutions und Vattenfall bewerben sich daher auf ein Reallabor des Bundeswirtschaftsministeriums. Bereits im Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD wurde die Notwendigkeit von Rahmenbedingungen betont, um Wasserstoff auf Basis Erneuerbarer für die Herstellung von Kraftstoffen im Bereich Mobilität nutzbar zu machen. Das Reallabor muss nun die Möglichkeit schaffen, grüne Gase wirtschaftlich vor Ort und deutschlandweit ohne Belastungen auf dem Strompreis nutzen zu dürfen. Zugleich wollen wir uns dafür einsetzen, die Anrechenbarkeit von grünem Wasserstoff bzw. grünem SNG im Transportsektor zu ermöglichen.“


Projektpartner

ARGE Netz mit Standorten in Husum und Berlin gehört zu den führenden Unternehmensgruppen der erneuerbaren Energieversorgung mit mehr als 360 Gesellschaftern. Das Unternehmen bündelt 4.000 Megawatt Leistung aus Wind, Photovoltaik und Biomasse. Es bietet Lösungen zur Speicherung und Umwandlung von erneuerbaren Energien und betreibt das Erneuerbare Kraftwerk.


MAN ES ebnet den Weg in eine klimaneutrale Weltwirtschaft. Ob Industrieproduktion, Energie- oder maritime Wirtschaft: Wir denken ganzheitlich und packen schon heute die Herausforderungen von morgen an – für eine nachhaltige Wertschöpfung unserer Kunden. In unserem Technologieportfolio steckt die Erfahrung aus über 250 Jahren Ingenieurstradition. MAN Energy Solutions hat seinen Hauptsitz in Deutschland und beschäftigt rund 14.000 Mitarbeiter an mehr als 120 Standorten weltweit. Unsere Kunden profitieren außerdem vom globalen Service-Center-Netzwerk unserer After-Sales Marke, MAN PrimeServ.


Vattenfall ist ein führendes europäisches Energieunternehmen, das seit mehr als 100 Jahren für die Elektrifizierung der Industrie und die Versorgung privater Haushalte steht und durch Innovationen und Kooperationen zu einem modernen Lebensstandard beiträgt. Vattenfalls Ziel ist es, innerhalb einer Generation ein fossilfreies Leben zu ermöglichen. Der Antrieb hierfür ist der Übergang zu einem nachhaltigen Energiesystem mit der Erzeugung aus erneuerbaren Energien und klimaschonenden Lösungen für die Kunden. Derzeit betreibt Vattenfall Erneuerbaren-Anlagen mit einer installierten Leistung von 2.800 Megawatt.



Forschungspartner

Das Energiewirtschaftliche Institut an der Universität zu Köln ist gemeinnützig und versteht sich als Wissensfabrik mit dem Ziel, neues Wissen über zunehmend komplexe Energiemärkte zu schaffen, zu verbreiten und nutzbar zu machen. Die Energiewelt erfährt zurzeit einen dramatischen Wandel mit sich ändernden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie neuen Technologien und Innovationen. Diese Veränderungen werfen komplexe Fragestellungen auf, für die das EWI Antworten sucht: durch praxisnahe, energieökonomisch fundierte und agenda-neutrale Forschung.

Um einen größtmöglichen Erkenntnisgewinn für die Wissenschaft, die energiepolitische und energiewirtschaftliche Praxis zu schaffen, wendet das EWI neueste volkswirtschaftliche Methoden an. Neben ökonomisch-theoretischen Analysen liegt ein Fokus auf der Verwendung und Weiterentwicklung quantitativer Methoden. 


Mit 1200 Mitarbeitern ist das in Freiburg angesiedelte Fraunhofer-Institut für Solare Energie-systeme ISE das größte europäische Solarforschungsinstitut. Im Rahmen der Forschungsschwerpunkte Energieeffizienz, Energiegewinnung, Energieverteilung und Energiespeicherung schafft es technische Voraussetzungen für eine effiziente und umweltfreundliche Energieversorgung sowohl in Industrie- als auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Im Geschäftsfeld Wasserstoff-Technologien und elektrische Energiespeicher werden u.a. F&E-Fragestellungen zu den Themen Brennstoffzellen-Systeme, thermokatalytischen Wandlungsprozesse, thermochemische Weiterprozessierung von Wasserstoff, Elektrolyse und Power-to-Gas bearbeitet.



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